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1. September 2026 · 2 Min. Lesezeit

Ein Chatbot ist wie der Tresen einer Apotheke

Warum die meisten schlechten KI-Antworten keine Schuld der KI sind, sondern eine Frage der Bestellung.

Eine Kundin am Tresen einer Apotheke, dahinter ein Roboter vor einer Wand voller Medikamentenschubladen.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in eine Apotheke und sagen nur einen Satz: „Ich bin krank."

Was passiert? Die Person hinter dem Tresen wird Ihnen irgendetwas geben. Vielleicht etwas gegen Kopfschmerzen, vielleicht ein Erkältungsmittel. Es wird nicht falsch sein. Aber ob es Ihnen hilft, ist reine Glückssache.

Jetzt derselbe Besuch, nur anders formuliert: „Seit drei Tagen habe ich Halsschmerzen, es tut vor allem beim Schlucken weh, Fieber habe ich keins. Ich habe schon Salbeitee probiert, das hat nicht gereicht. Ich muss morgen arbeiten und darf nicht müde werden."

Sie bekommen eine völlig andere Beratung. Nicht, weil die Apotheke plötzlich besser geworden ist. Sondern weil Sie gesagt haben, worum es geht.

Genau so funktioniert Prompting

Das Eingabefeld von ChatGPT ist der Tresen. Was Sie dort hineinschreiben, ist Ihre Bestellung. Und wie in der Apotheke gilt: Je genauer Sie sagen, was Sie brauchen, desto brauchbarer ist, was zurückkommt.

Die meisten Menschen, die enttäuscht von KI sind, haben „Ich bin krank" eingegeben. Und dann geschlossen, dass das Ganze überschätzt sei.

Was hinter dem Tresen steht

Die Metapher trägt noch weiter. Hinter dem Tresen stehen Regale voller Schubladen. In der Apotheke sind es Medikamente, bei der KI ist es alles, womit sie trainiert wurde.

Die Person hinter dem Tresen greift nicht zufällig hinein. Sie greift zu dem, was nach ihrer Erfahrung am wahrscheinlichsten passt. Genau das tut eine KI auch: Sie sucht nicht die Wahrheit, sie wählt die wahrscheinlichste Fortsetzung.

Das erklärt zwei Dinge auf einmal. Erstens, warum KI so oft erstaunlich gute Antworten gibt: Was wahrscheinlich ist, ist meistens auch richtig. Und zweitens, warum sie manchmal etwas erfindet und dabei völlig überzeugt klingt. Auch eine falsche Antwort kann sehr wahrscheinlich aussehen.

Vier Dinge, die eine Bestellung besser machen

Wenn Sie das nächste Mal etwas eingeben, nehmen Sie diese vier Punkte dazu:

  1. Wer sind Sie? „Ich bin Sachbearbeiterin in einer Stadtverwaltung."
  2. Was genau brauchen Sie? Nicht „ein Text", sondern „eine Absage an einen Antragsteller".
  3. Für wen ist es? Ein Brief an eine Bürgerin klingt anders als eine Notiz an die Kollegin.
  4. Was haben Sie schon versucht? Damit nicht dasselbe noch einmal kommt.

Das ist keine Geheimwissenschaft und kein Kurs in Programmieren. Das ist dieselbe Höflichkeit, die Sie in der Apotheke auch aufbringen würden.

Und wenn es trotzdem nicht passt?

Dann fragen Sie nach. In der Apotheke würden Sie auch nicht wortlos gehen, wenn Ihnen das Vorgeschlagene nicht zusagt. Sie würden sagen: „Das habe ich schon probiert, gibt es etwas anderes?"

Bei der KI heißt das: Antworten Sie auf die Antwort. Sagen Sie, was fehlt, was zu lang ist, was zu förmlich klingt. Ein guter Prompt entsteht selten beim ersten Versuch. Er entsteht im Gespräch.

Und das ist die eigentlich gute Nachricht: Sie müssen nichts auswendig lernen. Sie müssen nur aufhören, „Ich bin krank" zu sagen.

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In meinen Schulungen erkläre ich so, dass es hängen bleibt. Für Ihr Team, Ihr Kollegium oder Ihre Veranstaltung.